KC Union Station
KC Union Station - Foto: John LeCoque, public domain

Corner oder Line? - Draft-Vorschau 2023

Die Free-Agency ist weitestgehend vorbei und somit richten sich die Augen von Fans, Verantwortlichen, Spielern und Teams auf das nächste große Ereignis im NFL-Kalender, den NFL-Draft. Dieser findet vom 27. bis zum 29. April in Kansas City statt und hier werden, wie jedes Jahr, über 250 College-Spieler ein neues Zuhause bei den 32 NFL-Teams finden.

Aber Achtung: Für uns deutsche Fans findet der Draft so gesehen vom 28. bis zum 30. April statt, denn die erste Draftrunde beginnt erst um 2 Uhr nachts. Kurze Zeit später wird dann Roger Goodell (wie hoffentlich immer) unter lauten Buh-Rufen das Podium betreten und den ersten Pick der Carolina Panthers verkünden.

Aber kommen wir doch einmal zu unseren Patriots. Die werden erst später, nämlich an Nummer 14 in der ersten Runde ihren ersten Pick tätigen, sofern Bill nicht wieder einmal downtradet. Die gesamten Draftpicks der Patriots habe ich euch hier einmal übersichtlich aufgelistet:

Round 1 

Pick 14

Round 2

Pick 46

Round 3

Pick 76 (von den Panthers per Trade)

Round 4

Pick 107 (von den Rams per Trade)
Pick 117
Pick 135 (Compensatory Pick)

Round 6

Pick 184 (von den Raiders per Trade)
Pick 187 (von den Panthers per Trade)
Pick 192
Pick 210 (Compensatory Pick)

Round 7 Pick 245 (von den Bills via Atlanta per Trade)

 

Insgesamt 11 Picks stehen den Patriots damit in diesem Draft zur Verfügung. Eine Menge Munition, um den Kader hoffentlich gewinnbringend zu verstärken. Erwartet allerdings nicht, dass die Picks auch eins zu eins so fallen werden. Wie schon eingangs erwähnt: Die Patriots LIEBEN Draft-Day-Trades über alles!

Am meisten wird, wie eigentlich jedes Jahr, über den Erstrundenpick der Pats diskutiert. Da hat man theoretisch die höchste Chance einen hochtalentierten Spieler einzusammeln und so die Zukunft des Kaders zu sichern. Aber wer könnte das sein? Werfen wir dafür einmal einen Blick auf die größten Needs, die der Kader der Patriots aufweist. Nach meiner Auffassung sind das aktuell: Offensive Tackle, Wide Receiver, Cornerback und Safety. Schauen wir uns also einmal kurz an warum ich das so sehe und welche Spieler ich auf diesen Positionen für realistische Picks halte.

Die Prospect Rankings beziehe ich an dieser Stelle übrigens aus einem Draft-Guide, den einige mir bekannte Jungs aus Amerika in mühevoller Arbeit erstellt haben. Ich durfte an einigen Film-Sessions teilnehmen und möchte an dieser Stelle mal ein großes Lob für die Arbeit aussprechen. Zu diesem Draft-Guide geht es hier und auf diesem basieren auch meine Takes über diese Draftklasse. Aber schauen wir mal rein:

Offensive Tackle: Die Offensive Tackle Position war in der letzten Saison alles andere als eine Stärke der Patriots, obwohl sie sonst meistens mindestens solide aussah. Sowohl Wynn als auch Brown sahen über weite Strecken unglücklich aus und dementsprechend befindet sich Isaiah Wynn stand jetzt nicht mehr auf unserem Roster. In der Free-Agency wurde zwar Tackle Riley Reiff gesigned, der ist allerdings schon 34 Jahre alt und eher eine kurzfristige Lösung.

Im Draft findet sich am oberen Ende des Leistungsspektrums allerdings eine reichhaltige Klasse an Offensive Tackles. Viel Tiefe sucht man zwar vergeblich, aber wir dürften einige OTs sehen, die bis zur Mitte der zweiten Runde vom Board gehen. Sollten sich die Patriots in Runde 1 dafür entscheiden einen Tackle zu nehmen, so dürfte man vermutlich mit jemandem wie Broderick Jones, Paris Johnson Jr. oder Darnell Wright aus dem Draft gehen. Peter Skoronski ist vermutlich an Pick 14 nicht mehr zu haben und dürfte früher genommen werden. Denkbar wäre auch ein Downtrade und ein Pick von Matthew Bergeron, der in seinem Spiel sogar ähnliches zeigt wie Riley Reiff. Weitere Spieler, die in Runde 2 noch zu den Patriots gehen könnten wären beispielsweise Dawand Jones oder Blake Freeland.

Wide Receiver: Bei der Wide Receiver Klasse sieht das Bild schon wieder anders aus. Diese ist in der Spitze definitiv schwächer als die Klassen der letzten Jahre, dafür ist sie allerdings tief und selbst in den späteren Runden gibt es den ein oder anderen Receiver, mit dem man arbeiten kann.

Viele hypen Jaxon Smith-Njigba von Ohio State als den besten Receiver der Klasse, ich persönlich finde allerdings Zay Flowers von Boston College hat diesen Titel verdient. Er ist ein kleinerer, aber unfassbar wendiger und schneller Slot-Receiver mit gutem Route-Running und YAC-Fähigkeiten. Die ersten Receiver dürften etwa um den ersten Pick der Patriots vom Board gehen, die Chancen einen der Top-Receiver draften zu können, stehen also nicht schlecht.

Mein Crush aus dieser Klasse ist Jonathan Mingo von Ole Miss. Er ist ein großer physischer Receiver, kann aber mit seinem unfassbar schnellen Release Cornerbacks schnell stehen lassen. Er verfügt zudem über beeindruckende Körperkontrolle und gutes Route-Running, seine Player-Comparison in der NFL wäre wohl am ehesten AJ Brown - und über so einen Typ Receiver würde ich mich persönlich sehr freuen.

Cornerback: Die diesjährige Cornerback-Klasse lässt kaum Wünsche offen. Die Positionsgruppe ist sowohl in der Spitze, als auch in der Breite brutal stark besetzt. Alleine die Top 4-Corner dieser Klasse, namentlich Illinois' Devon Witherspoon, Marylands Deonte Banks, Penn States Joey Porter Jr. und Oregons Christian Gonzalez wären jeder an und für sich schon eine Bereicherung für die Secondary der Patriots. Besonders Witherspoon und Banks sind starke Man-Corner, die gut in das defensive Mindset der Patriots passen dürften.

Der Run auf die Top-Cornerbacks dürfte allerdings recht früh in der ersten Runde losgehen. Ob einer der Top-Corner zu den Patriots fällt, wird davon abhängen, ob andere Teams, die vorher picken, Edges oder Tackles höher bewerten. Ich sehe es aber durchaus als realistisch an, dass die Patriots auch eine Chance haben sollten, sich am oberen Ende dieser aufregenden Klasse bedienen zu können.

Eine Day-2 Option wären Leute wie Eli Ricks von Alabama oder Darius Rush von South Carolina. Beide sind ebenfalls gute Man-Cornerbacks, die die aktuellen Lücken in unserer Secondary ausfüllen könnten. Bei der Tiefe der Klasse wäre es aber auch nicht verwunderlich, wenn es auch in den späteren Runden noch reichlich gute Spieler auf dieser Position geben sollte.

Safeties: Zuletzt kommen wir zur diesjährigen Safety-Klasse. Nach dem Retirement von DMac besteht aktuell vor allem auf der Free Safety Position ein dringender Need für die Patriots. Zwar ist die Safety-Gruppe mit Philipps, Dugger und Peppers noch gut besetzt, ein richtiger Deep Safety fehlt allerdings.

Problematisch: Diese Klasse ist sowohl in Spitze und Breite nichts Besonderes. Der Draft-Guide meiner Amerikanischen Experten hat keinen Safety mit einem First-Round Grade. Ich denke in diesem Draft gibt es noch nicht die richtige Gelegenheit das Loch, das Devin McCourty hinterlassen hat, adäquat anzugehen. Ich rechne hier maximal mit einem Late-Round Pick oder einem UDFA-Signing. Allerdings sollten wir auch da nicht erwarten, dass dieser jemand auch nur ansatzweise sofort in der Lage ist, DMac’s Rolle zu übernehmen. Aber wir werden sehen, Überraschungen gibt es schließlich immer wieder.

Andere Positionsgruppen: Zwei weitere Positionsgruppen, die in diesem Draft talentiert und gut besetzt sind, sind die Edge-Rusher und Tight Ends. Zwar sind diese nur bedingt von großem Interesse, hier sollten aber selbst in späteren Runden noch einige Spieler mit guter Upside zur Verfügung stehen, die bei den Patriots in der Zukunft eine Rolle spielen könnten.

An dieser Stelle sei euch da aber auch nochmal der von mir erwähnte Draft-Guide ans Herz gelegt. Über 300 Prospects sind dort analysiert worden und ihr könnt euch dort zu vielen, vielen Spielern belesen, um nochmal ein besseres Bild über die diesjährige Klasse gewinnen zu können.

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch, euch ein geiles Draft-Wochenende zu wünschen und unseren Patriots-Executives ein glückliches Händchen mit den Picks!

 

Einleitungsbild "KC Union Station" - Foto: John LeCoque, public domain

Die Patriots Hall of Fame
Die Patriots Hall of Fame - Foto: Thobias Schürmann

Wer kommt 2023 in die Patriots Hall of Fame?

Wie in jedem Frühjahr tagt auch 2023 das Hall-of-Fame-Komitee, um drei Kandidaten für die Aufnahme in die teameigene Ehrengalerie vorzuschlagen. Daraus können die Fans dann einen Spieler auswählen, dem neben Dante Scarnecchia im Jahr 2023 die große Ehre zuteil wird, eine eigene Sektion im Museum der Patriots zu bekommen.

Denn schon Anfang April verkündete Teambesitzer Robert Kraft die Aufnahme des langjährigen Offensive-Line-Coaches als Contributor in diesen erlesenen Kreis. Contributors sind Personen, die sich weder als Spieler noch als Head Coach um die Franchise verdient gemacht haben - bislang sind das der Teamgründer Billy Sullivan, der langjährige Radiokommentator Gil Santos und die 2020 viel zu früh verstorbene Leiterin der Cheerleader-Abteilung Tracy Sormanti.

Dante Scarnecchia in Rhode Island 2014 von Michael Wilson, CC-BY-2.0
Dante Scarneccia - Foto: Michael Wilson / Flickr

Dante "Scar" Scarnecchia verbrachte 34 seiner 36 Saisons als Assistenztrainer in der NFL in New England. Er war an 5 der 6 Super Bowl-Siegen beteiligt - lediglich SB XLIX "verpasste" er wegen seines vorübergehenden Rücktritts 2013. Nach der knappen Niederlage im AFC-Finale der Saison 2015/16 gegen die Denver Broncos, in der die Offensive Line wiederholt Schwächen zeigte, kehrte er als Trainer für die Offensive Line zurück und verhalf dem Team zu drei weiteren Super Bowl-Teilnahmen und zwei Ringen, bevor er 2019 im Alter von 71 Jahren endgültig seine Trainerkarriere beendete. Kraft bemerkte dazu: "Dante Scarnecchia ist als einer der größten Assistenztrainer aller Zeiten anerkannt, er ist der erste Assistenztrainer der Patriots, dem diese Ehre zuteil wird und ich kann mir keine Person vorstellen, die es mehr verdient hätte." - Herzlichen Glückwunsch, Coach!

Für die Fan-Abstimmung schlägt das 28-köpfige Komitee, das aus regionalen Sportjournalisten, ehemaligen Spielern und Mitarbeitern der Franchise besteht, den ehemaligen Head Coach Bill Parcells sowie die Spieler Logan Mankins und Mike Vrabel vor.

Als Bill Parcells 1993 in Foxborough anheuerte, übernahm er ein Team am Tiefpunkt, das gerade mit 2-14 aus der Saison 1992 kam und nicht nur ein einziges schlechtes Jahr hinter sich hatte. Parcells hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine erfolgreiche NFL-Coaching Karriere hinter sich, unter anderem gewann er in den 1980er Jahren zwei Super Bowls mit den New York Giants. Sein Defensive Coordinator damals - Bill Belichick. Die Patriots wurden von ihm kräftig umgekrempelt und somit die Grundlagen für die spätere Ära des Erfolges in den 2000er Jahren gelegt. 1996 zog das Team unter ihm das zweite Mal in seiner Geschichte in den Super Bowl (XXXI.) ein, verlor diesen jedoch gegen die Green Bay Packers. Danach verließ er das Team in Richtung der New York Jets und war noch bis 2006 Head Coach bei den Cowboys. Bereits 2013 wurde Parcells in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen, er ist Teil des Patriots All-Decade-Team der 1990er und steht bereits zum fünften Mal in der Auswahl.

Logan Mankins protecting Tom Brady von Jack Newton CC-BY-SA-2.0
Logan Mankins beschützt Tom Brady gegen den Pass Rush der Colts 2011 - Foto: Jack Newton / Flickr, CC-BY-SA-2.0

Weiterhin wurde Offensive-Liner Logan Mankins ausgewählt. Er wurde 2005 in der ersten Runde von den Patriots ausgewählt und obwohl er bei Fresno State stets als Left Tackle gespielt hatte, wurde er in New England sofort zum Starter als Left Guard. Er erreichte jeweils 6 mal den Pro Bowl und das All-Pro Team, ist Teil sowohl der 2000er und 2010er Patriots All-Decade Teams und war über ein Jahrzehnt lang ein wichtiger Baustein in der Offensive Line, die in 8 seiner 10 Jahre in Foxborough zu den besten 10 der NFL gehörte. Am Ende seiner NFL-Karriere spielte er noch zwei Jahre bei den Tampa Bay Buccaneers und ist das zweite Jahr hintereinander nominiert.

Mike Vrabel vor SB XLII von Neil Cornrich CC-BY-SA-2.0
Mike Vrabel im Vorfeld des Super Bowl XLII. 2008 - Foto: Neil Cornrich

Auch Mike Vrabel war schon letztes Jahr, als Vince Wilfork die Wahl gewann, in der engeren Auswahl - und zwar das siebte Jahr in Folge. Heute kennen ihn Football-Fans als Head Coach der Titans, doch als Spieler verdiente er sich seine Sporen bei den Patriots. Er kam 2001 als Free Agent nach vier Jahren als Drittrunden-Pick, Reservist und Special-Teamer bei den Steelers nach New England und war sofort als vielseitiger Linebacker ein Herzstück der Defenses, die in den Jahren 2001 bis 2004 drei Super Bowls gewinnen konnten. Er wurde nicht nur als Inside- und Outside Linebacker eingesetzt, sondern war auch regelmäßig wichtiger Teil der Special Teams und der Offense in Goalline-Situationen. Alle 10 Pässe, die er für die Patriots fing, brachten Touchdowns ein - 8 mal in der Regular Season und sogar jeweils einen in den aufeinanderfolgenden Super Bowls XXXVIII. und XXXIX.! Nachdem Vrabel die Patriots 2009 verließ, spielte er noch zwei Saison für die Kansas City Chiefs und wandte sich dann seiner ebenfalls sehr erfolgreichen Coaching-Karriere zu, zunächst für die Ohio State Buckeyes, bei denen er auch selbst gespielt hatte und anschließend als Assistent bei den Texans. 2018 wurde er zum Head Coach der Tennessee Titans und sogar 2021 zum “NFL Coach of the Year”. Vrabel wurde als Spieler nach der legendären "Almost Perfect"-Saison 2007 sowohl in den Pro Bowl als auch in das All-Pro Team gewählt und ist Teil der New England Patriots 2000er All-Decade, 50th Anniversary und All-Dynasty-Teams.

Die Abstimmung läuft noch bis zum 2. Mai und die Auserwählten werden im Herbst in einer feierlichen Zeremonie in die Hall of Fame im Umfeld des Gillette-Stadiums aufgenommen.

 

Einleitungsbild: "Die Patriots Hall of Fame" - Foto: Thobias Schürmann

Gilette Stadium in Foxborough
Gilette Stadium in Foxborough - Foto: Mike Reiss, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das war die Patriots-Saison 2022

Im ersten Blog-Artikel dieser Off-Season schauen wir zurück auf die vergangene Saison und fassen die Spiele und Storylines des Jahres zusammen. Am Ende standen wir mit einem negativen 8-9 Record und als drittes Team der AFC East da, hatten allerdings auch bis ins letzte Spiel Chancen, die Playoffs noch zu erreichen. Es war eine Saison mit für uns ungewöhnlich viel Schatten, allerdings auch mit einigen Lichtblicken.

Schauen wir uns zunächst die Personalbewegungen an - eine der wichtigsten Veränderungen war der Abgang von Offensive Coordinator Josh McDaniels als Head Coach zu den Las Vegas Raiders. Er wurde durch die Rückkehrer Matt Patricia und Joe Judge ersetzt, formal blieb der Posten des OC jedoch unbesetzt,vermutlich weil so die früheren Teams - Lions und Giants - weiterhin einen Großteil ihrer Gehälter übernehmen mussten. Aus dem Kader verließen uns James White, Dont’a Hightower und Jamie Collins ins (mutmaßliche) Karriereende, Chase Winovich, Gunner Olszewski (beide Pittsburgh), Shaq Mason (Tampa Bay), JC Jackson (Chargers) und N’Keal Harry (Chicago) wurden getradet. Besonders für deutsche Fans kam es überraschend, dass Fullback Jakob Johnson dem Ruf seines ehemaligen Offensive Coordinators nach Las Vegas folgte, außerdem wurde Kyle van Noy entlassen und kam in Miami unter. 

Als Free Agents verstärkten uns unter anderem Ty Montgomery, der fast die komplette Saison verletzt ausfiel und SB 49-Legende Malcolm Butler, der sich leider auch schwer verletzte und das Team umgehend wieder verließ. Größeren Einfluss hatten hingegen Linebacker Mack Wilson, Cornerback Terrance Mitchell, Wide Receiver DeVante Parker und Safety Jabrill Peppers. 

Im Draft holten wir in der ersten Runde zur Verwunderung vieler Cole Strange aus Chattanooga, der  direkt Starter als Guard geworden ist und dort solide spielt. Receiver Tyquan Thornton aus der zweiten Runde ist dabei, seinen Platz im Team zu finden. Die Cornerbacks Marcus Jones und Jack Jones aus den Runden 3 und 4 haben sich überraschend schnell eingewöhnt, insbesondere Marcus hatte Einfluss auf allen drei Seiten des Spiels und Jack ist ein Starter, um den wir uns keine Sorgen machen müssen. Ein weiterer Rookie, der in dieser Saison von sich Reden machte, war Quarterback Bailey Zappe.

Da wir nun also das Personal der Saison 2022 abgeklärt haben, wird es Zeit, dass endlich auch Pässe geworfen und Blocks gesetzt werden. Die Preseason war durchwachsen mit einer knappen 21-23 Niederlage gegen die Giants, einem 20-10 Sieg gegen die Panthers und einer 6-23 Niederlage gegen die Raiders.

In der ersten Woche der regulären Saison gab es eine 7-20 Niederlage gegen die Dolphins - das vierte Mal in Folge gegen den Divisionsrivalen, bei der Ty Montgomery seinen einzigen Touchdown der Saison und den einzigen offensiven TD in der Partie fing. Am Ende des Spiels verletzte sich jedoch noch Mac Jones am Rücken, konnte allerdings in der nächsten Woche in Pittsburgh wieder spielen. Gegen die Steelers begann New England dominant, konnte nach einem defensiven Three and Out einen langen Drive von 6:45 Minuten Länge hinlegen, an dessen Ende jedoch lediglich ein Field Goal stand. Danach warfen beide Teams jeweils eine Interception und zu Beginn des letzten Viertels kamen die Steelers noch auf 17-14 heran, anschließend verhinderten jedoch beide Defensiven weitere Punkte.

In der dritten Woche kam es nun endlich zum Heimdebüt im Gillette-Stadium gegen die Ravens. In der ersten Halbzeit waren sich die Teams ebenbürtig und man ging mit 14-13 in die Pause. Nach einem fulminanten dritten Quarter, in dem Baltimore 17 Punkte erzielte, war das Spiel jedoch zu ihren Gunsten gekippt. Die versuchte Aufholjagd wurde jäh unterbrochen, als sich Mac Jones mit noch zwei Minuten auf der Uhr am Bein verletzte und dabei seine dritte Interception des Spiels warf. Der folgende Ausfall unseres Quarterbacks sollte den weiteren Verlauf der Saison prägen. So stand am Ende die erste Heimniederlage in der Regular Season gegen die Ravens in der Franchisegeschichte.

Im Lambeau-Field musste also Brian Hoyer die Bälle für uns verteilen, allerdings verließ er bereits nach dem zweiten Drive mit einer Gehirnerschütterung das Feld. Rookie Bailey Zappe übernahm mit einer 3-0 Führung und spielte ein fehlerarmes Spiel mit 10 von 15 angekommenen Pässen, einem TD und 99 Yards. Mit Jack Jones machte auch ein anderer Rookie von sich reden, als der Cornerback einen Pass von Aaron Rodgers abfing und in die Endzone zurück trug. Das enge Match ging mit 24:24 in die Overtime, die die Packers mit einem Field-Goal für sich entscheiden konnten.

Dieses Level konnte Zappe auch in seinem ersten Start der Karriere eindrucksvoll halten, als in den roten Throwback-Jerseys gegen Detroit ein 0-29 Shutout gelang. Zappe brachte dabei 17 von 21 Pässen für 188 Yards an den Mann, fand Jakobi Meyers für einen Touchdown und eine Interception, die jedoch nicht Zappes Fehler war, sondern Nelson Agholor durch die Finger rutschte. Die Hauptlast der Offense trug Rhamondre Stevenson mit 25 Läufen für 161 und zwei gefangenen Pässen für 14 Yards.

Das Momentum konnte man mitnehmen und zeigte in Woche 6 in Cleveland eine weitere dominante Leistung, in der Zappe erstmals mehr aufscheinen ließ, als “nur” ein guter Game Manager zu sein: Er warf für 309 Yards und 2 Touchdowns, Stevenson fand außerdem zweimal zu Fuß in die Endzone und Rookie-Receiver Tyquan Thornton kam das erste mal zum Einsatz und konnte jeweils einmal durch die Luft und über den Boden Punkte aufs Scoreboard bringen.

Plötzlich gab es also eine Quarterback-Kontroverse, die hauptsächlich außerhalb der Franchise und der Fanbase geführt wurde, als Mac Jones gegen die Chicago Bears zum Monday-Night-Game wieder spielbereit war. Die Rückkehr dauerte allerdings nur drei Drives lang, bis er wieder von Zappe ersetzt wurde. Die Offensive kam nach ein paar guten Drives jedoch schnell aus dem Rhythmus und das Team verlor überraschend mit 33-14.

Nach zwei aufeinanderfolgenden Siegen bei den Jets (22:17) und gegen die Colts (3:26), bei denen Mac Jones solide Leistungen zeigte, ging es in Woche 10 schließlich mit einem Record von 5-4 in die wohlverdiente Bye-Week. Die Hoffnungen, dass in der spielfreien Woche notwendige Anpassungen in der Offensive umgesetzt werden könnten, wurden leider nicht bewahrheitet.

In Woche 11 waren die Jets zu Gast und nur durch einen Punt-Return Touchdown 5 Sekunden vor Schluss durch Marcus Jones, konnte dieses an Highlights arme Spiel knapp mit 10-3 gewonnen und die Siegesserie gegen die Jets ausgebaut werden.

Als nächstes ging es am Thanksgiving-Wochenende zu den Vikings. Dabei gelang Mac Jones auch mit 382 Pass-Yards sein bisheriger Karrierehöchstwert, allerdings ging der Shootout erstmals in 22 Jahren mit 26-33 verloren.

Das Momentum, das zumindest die Offensive aus diesem Spiel hätte mitnehmen können, endete jäh mit einer 24-10 Niederlage in Buffalo. Insgesamt gelangen in den 6 Spielen nach der Bye Week nur 8 offensive Touchdowns. Das Matchup bei den Cardinals in Woche 14 war besonders von Verletzungen geprägt, so riss sich Kyler Murray im dritten Spielzug der Partie das Kreuzband und später mussten auch Rhamondre Stevenson, DeVante Parker und Jack Jones vom Feld. 

Das Spiel gewannen die Patriots scheinbar souverän mit 27-13, jedoch fanden die Cardinals nach dem Ausfall ihres Franchise-Quarterbacks keinen wirklichen Zugang mehr zum Spiel. Durch Stevensons Verletzung fehlte auch auf Seiten New Englands ein wichtiger Spielmacher, dies wurde jedoch durch die Rookie-Running Backs Kevin Harris und Pierre Strong aufgefangen, die beide erstmals in ihrer Profi-Karriere die Endzone fanden. Außerdem gelang auch Linebacker Raekwon McMillan sein erster NFL-Touchdown, nachdem er einen Fumble von DeAndre Hopkins zurücktragen konnte.

Das große Highlight der Saison war die Partie in Las Vegas - schließlich traf mit Josh McDaniels unser ehemaliger und langjähriger Offensive-Coordinator erstmals als Head Coach der Raiders auf sein altes Team. Im Vorfeld des Spiels haben wir dem Raiders-Podcast und Blog Locofootball ein Interview gegeben, das ihr hier nachlesen könnt.

Zunächst begannen die Raiders dominant und führten zur Halbzeit mit 17-3. Nach einem Pick Six von Derek Carr an Kyle Dugger drehte sich aber das Momentum und die Patriots erzielten 21 Punkte am Stück. Mit noch 32 Sekunden auf der Uhr gelang Keenan Cole ein kontroverser Touchdown, der das Spiel 24:24 ausglich, wobei fraglich war, ob er nicht mit der Fußspitze die Endzone verlassen hatte. Der Videobeweis lieferte den Schiedsrichtern jedoch nicht genügend Argumente um die Entscheidung zu revidieren und kurze Zeit später stand New England mit einem 3rd and 10 und 3 Sekunden an der eigenen 45 Yard-Linie.

Was nun geschah, ging als “lunatic lateral” in die NFL-Geschichte ein: Mac Jones gab den Ball in einem Draw-Play an Stevenson, vermeintlich um die Uhr auslaufen zu lassen und in die Verlängerung zu gehen. Dieser Lauf hatte zunächst Erfolg, aber als unser ehemaliger Safety Duron Harmon sich näherte, pitchte Stevenson den Ball von der 32 zurück auf Jakoby Meyers, der an der 40-Yard Linie der Raiders den Ball in Richtung von Mac Jones in der Mitte des Feldes warf. Dieser lateral-Pass wurde allerdings von Chandler Jones - auch ein ehemaliger Patriot - abgefangen und mit auslaufender Uhr zum Game-Winning-Touchdown für Las Vegas.

Bemerkenswert ist auch, dass New England fast auf den Tag genau 4 Jahre zuvor im sogenannten “Miami miracle” das Spiel verloren hatte, als den Dolphins ein ähnliches Hook-and-Ladder-Manöver gelang. Nach der ersten Niederlage gegen die Raiders in 20 Jahren stand das Team nun außerhalb der Playoffs, aber noch mit guten Chancen auf ein Weiterkommen, wenn man die nächsten Spiele gewinnen würde.

Am ersten Weihnachtsfeiertag unterlag das Team jedoch knapp den Bengals mit 22-18. Dabei misslang ein respektabler Comeback-Versuch, nachdem man 0-22 zurückgelegen hatte, aber als es so aussah, als wäre man spät im vierten Quarter auf dem Weg zum Game-Winning-Touchdown, fumbelte Stevenson den Ball kurz vor der Endzone und die Aufholjagd war abgeblasen. 

Das erste Mal seit Woche 7 stand man nun mit einem negativen Record da, dies konnte jedoch mit einem weiteren knappen 21-23 Heimsieg gegen Miami wieder ausgeglichen werden.

Vor dem letzten Saisonspiel hatten die Patriots die Playoffs also in der eigenen Hand - zwar hatten noch die Dolphins und die Steelers Chancen auf den letzten Wildcard-Platz in der AFC, mit einem Sieg bei den Bills ginge der jedoch definitiv nach Foxborough. Nachdem beide Teams in einem ausgeglichenen Spiel mit 14:14 in die Halbzeit gingen, dominierten die Bills jedoch das dritte Viertel und gewannen schließlich souverän mit 35:23 und die Dolphins zogen die letzte Wildcard.

So beendete das Team das zweite Mal in drei Jahren die Saison ohne Playoff-Teilnahme und mit einem losing-Record, allerdings hatte man das nicht im letzten Spiel, sondern in den knappen und teilweise skurrilen Niederlagen in den Wochen zuvor verloren. Mit 8-9 wurde das untere Ende dessen, was die meisten Fans vor der Saison erwartet hatten, erreicht.

Die Draft-Class hat sich erstaunlich gut in diesem Jahr entwickelt und die Defense konnte sich auf einem hervorragenden Niveau präsentieren. Große Schwächen zeigten sich auf der offensiven Seite des Balls, deshalb hat man sich von Matt Patricia und Joe Judge getrennt und mit Bill O’Brien kehrt auch ein erfahrener und erfolgreicher OC zur nächsten Saison zurück. Was sich sonst in Free Agency, Draft und Saisonvorbereitung tut, getan hat und tun sollte, erfahrt ihr hier in den nächsten Wochen.

 

Einleitungsbild/Beitragsbild "Gilette Stadium in Foxborough - Foto: Mike Reiss, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Drei Fahnen am Stadiondach: Deutschland, USA und NFL
Foto: Dennis Briege

Recap der Free-Agency 2023

Die neue NFL-Season ist am 15.03.2023 gestartet und damit auch die offizielle Free-Agency.

Die New England Patriots müssen in dieser Season reagieren und sich auf einen Nummer-1-Receiver und auf die O-Line konzentrieren.

Den ersten Move machten die Patriots mit TE Jonnu Smith, den die Patriots zu den Atlanta Falcons für einen Siebtrunden-Pick (245) traden. Damit machen die Patriots 4,4 Millionen US-Dollar im Cap-Space frei und können sich damit auf dem Markt ein bisschen nach Ersatz umschauen.

Der nächste, der uns verlässt, ist WR Jakobi Meyers, der für drei Jahre und 33 Millionen US-Dollar zu den Las Vegas Raiders wechselt. Dieser Wechsel von Meyers tut weh, da die Patriots jetzt auch noch eine der wichtigsten Anspielstationen für QB Mac Jones verloren haben. Das soll sich aber noch ändern, denn Ersatz wird kommen für Jakobi Meyers. Später mehr dazu.

FS Devin McCourty, der 13-Jahre-Veteran der Patriots, verlässt das Team und geht in den Ruhestand. Das reißt eine große Lücke in die Defense, da auch CB Jalen Mills von den Patriots gecuttet wurde. Es ist davon auszugehen, dass die Patriots dieses Loch beim diesjährigen Draft stopfen werden. Ein Kandidat dafür wäre S Brian Branch der Alabama Crimson Tide.

Kommen wir nun zu den Re-Signs und Neuzugängen, die ein wenig hoffen lassen. Fangen wir mit den Neuzugängen an:

Der vorhin erwähnte Jakobi Meyers wurde ersetzt durch WR JuJu Smith Schuster. Es ist auf jeden Fall ein Upgrade, auf wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Denn Smith Schuster, der zuletzt für die Kansas City Chiefs auflief, machte in der vergangenen Season nur drei Touchdowns. Der Grund ist unter anderem, dass die Hauptanspielstation bei den Chiefs TE Travis Kelce ist und Patrick Mahomes die Bälle auf viele verschiedene Receiver verteilt. Das wird bei den Patriots allerdings anders sein. Smith Schuster wird auf mehr Bälle von Jones bekommen, da der WR sehr viel arbeitet und sehr wichtig für die Catches und Yards auf dem Weg in die Endzone ist.

Der nächste Hammer kam mit der Verpflichtung von TE Mike Gesicki, den die Patriots für ein Jahr und neun Millionen US-Dollar verpflichtet haben. Damit haben die Patriots einen TE, der Bälle fangen kann, viel in die Mitte arbeitet und damit auch die Defender ein bisschen an sich zieht, um den WR Platz zu verschaffen. Eine sehr gute Verpflichtung auf der TE-Position.

Ein alter Bekannter kehrt zurück ins Team: Die Patriots haben Swing Tackle Calvin Anderson für zwei Jahre unter Vertrag genommen. Seine professionelle Karriere begann er, als die Patriots ihn im Jahr 2019 als Undrafted Free Agent verpflichteten. Seine Stationen bis heute waren die New York Jets und die Denver Broncos, von denen er jetzt zurück zu den Patriots kommt und die O-Line hoffentlich wieder ein wenig verstärken wird.

Der zweite O-Liner, der neu im Team ist, ist OT Riley Reiff. Er wurde von den Chicago Bears geholt, um auf einer Position Tiefe zu schaffen, die im vergangenen Jahr sehr verletzungsanfällig war.

Kommen wir zu den Running Backs: Die Patriots verpflichten RB James Robinson, der für zwei Jahre von den New York Jets kommt und dort zuletzt keinen schlechten Job gemacht hat. Es wird erwartet, dass Robinson Damien Harris hinter Rhamondre Stevenson ersetzen wird.

Der letzte Neuzugang ist Special-Teamer und LB Chris Board von den Detroit Lions. Board ist einer der besten Special-Team-Spieler in der NFL und kann die Patriots zusammen mit Special-Team-Captain Matthew Slater, der ein weiteres Jahr bei uns bleiben wird, unterstützen.

Jetzt heißt es abwarten, ob die Patriots vor oder im Draft Ende April 2023 noch einen Zug machen und einen Nummer-1-WR ins Team holen. DeAndre Hopkins und Odell Beckham Jr. sind da zwei Namen, die sehr oft fallen.

Abschließend fassen wir alle Transaktionen zusammen, die bis jetzt getätigt wurden:

Re-Signings:

  1. SpT Matthew Slater
  2. CB Jabril Peppers
  3. CB Jonathan Jones
  4. LB Raekwon McMillan
  5. DT Daniel Ekuale
  6. LS Joe Cardona
  7. LB Mack Wilson Sr.
  8. S Cody Davis Jr.
  9. OT James Ferentz
  10. OT Conor McDermott

Abgänge:

  1. WR Jakobi Meyers
  2. TE Jonnu Smith
  3. FS Devin McCourty
  4. P Jake Bailey

Patriots Free Agents:

  1. WR Nelson Agholor
  2. OT Yodny Cajuste (Original 3rd round Tender)
  3. WR Damien Harris
  4. CB Joejuan Williams
  5. OT Isaiah Wynn
  6. Myles Bryant

 

(Stand 20.03.23)

Einleitungsbild "Fahnen von Deutschland, der NFL und den USA" - Foto: Dennis Briege

Unsere Partner:
Image
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.